24.11.2010

Arbeitsgericht unterbindet Streik

Das Arbeitsgericht Frankfurt am Main hat es der Pilotengewerkschaft "Vereinigung Cockpit"im Wege der einstweiligen Verfügung untersagt, die Piloten bei der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin zum Streik aufzurufen.

Hintergrund dieser Entscheidung ist, dass die Tarifparteien sich bereits im August auf einen Manteltarifvertrag geeinigt hatten. Dieser wurde jedoch von der Tarifkommission der Vereinigung Cockpit und sodann in der Urabstimmung mit großer Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder abgelehnt (90,5 % Nein_stimmen bei Air berlin und 84,5 % Nein-Stimmen bei LTU). Hierbei ist der maßgebliche Streitpunkt die Angleichung der Arbeitszeiten und Bereitschaftszeiten der Piloten von LTU und Air Berlin. Die Fluggesellschaft LTU wurde 2007 durch Air Berlin übernommen.

Nach den vorliegenden Pressemeldungen hat das Arbeitsgericht wohl deswegen die einstweilige Verfügung erlassen, weil es die Gründe für einen möglichen Streik für nicht konkret genug erachtet hatte. Die Arbeitgeberseite hatte hier bereits argumentiert, dass schon die Urabstimmung zu dem Manteltarifvertrag unwirksam sei, weil es sich hierbei lediglich um eine Urabstimmung über einen Teil des Manteltarifvertrages gehandelt habe.

Im einzelnen will ich mich jetzt hier überhaupt nicht zu der konkreten Tarifauseinandersetzung äußern, da mir hierfür einfach die Hintergrundinformationen fehlen. Auffällig ist allerdings, dass insbesondere da, wo die Arbeitgeberseite sich mit Berufsgewerkschaften auseinandersetzen muss, eine vermehrte Tendenz beseht, die Tarifauseinandersetzung nicht mehr am Verhandlungstisch zu führen oder mittels eines fairen Arbeitskampfes, sondern diese vor den Arbeitsgerichten auszutragen. Die Deutsche Bahn AG hat hierzu vor zwei Jahren ein wahres Gerichtsshopping betrieben, in der Hoffnung, irgendwann die gewünschte Entscheidung zu kriegen. Das Ergebnis waren Gerichtsentscheidungen die sich gegenseitig widersprochen haben.

Ich finde diese Entwicklung bedenklich. Das Recht auf Streik entspringt dem Grundrecht auf Koalitionsfreiheit aus Art. 9 Grundgesetz. Hierbei hatten die Väter unseres Grundgesetzes die Vorstellung, dass die Tarifparteien sich klassisch auf einen Tarifvertrag einigen und gegebenenfalls hierfür auch den Arbeitskampf betreiben würden. Ich persönlich bin zwar auch der Ansicht, dass Flugzeuge eher an den Himmel, als an den Boden gehören. Dies nicht zuletzt deswegen, weil ich selber auch häufiger und gerne mit der hier in Rede stehenden Fluggesellschaft fliege. Aber wenn eine Einigung gar nicht mehr anders zu erzielen ist, dann muss eben auch mal ein Arbeitskampf sein. Jedenfalls gehören meiner Ansicht nach Tarifauseinandersetzungen nicht vor die Arbeitsgerichte. Die Arbeitsniederlegung ist ein wesentlicher Bestandteil, welcher aus Sicht der Gewerkschaften dazu führen soll, dass die Arbeitgeberseite sich überhaupt auf eine Tarifeinigung einlässt. Selbstverständlich geht das nicht ohne wirtschaftliche Einbußen einher. Dieser Druck ist es letztendlich ja auch, der Sinn der ganzen Sache ist.

Sollte es hier vorliegend übrigens wirklich nur um die Frage der konkreten Arbeitszeit und der Bereitschaftszeiten gehe, so wäre es überhaupt nicht erforderlich, diese zwingend innerhalb eines Tarifvertrages zu regeln. Ebenso gut könnte dies mittels einer Betriebsvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Gesamtbetriebsrat geregelt werden. Hier wäre dem Gesamtbetriebsrat auch das Mittel der Arbeitsniederlegung verwehrt. Nun hat sich aber wohl die Arbeitgeberseite darauf eingelassen, diese Fragen innerhalb des Tarifvertrages zu regeln. Dann muss sie meines Erachtens nach auch damit leben, wenn die üblichen Mittel zur Durchsetzung eines Tarifvertrages angewandt werden.

An anderer Stelle, insbesondere bei den etablierten Gewerkschaften, wird gerne eingewandt, dass die Entwicklung hin zu einzelnen Berufsgewerkschaften insgesamt eher schädlich sei. Hier müssen sich allerdings auch die etablierten Gewerkschaften einmal selber die Frage stellen, warum die Kollegen sich nicht mehr durch sie vertreten fühlen und ihre eigenen Berufsgewerkschaften gründen. Im Ergebnis wird auch dies wohl eher ein hausgemachtes Problem sein.

Wussten Sie übrigens, dass die Gewerkschaft der Lokführer (GdL) die erste Gewerkschaft war, die es in Deutschland überhaupt gegeben hat? Man hat sie bloß über all die Jahrzehnte nicht wahrgenommen, weil die Lokführer bereits im Kaiserreich verbeamtet wurden und so die Gewerkschaft GdL innerhalb des Deutschen Beamtenbundes untergegangen ist. Mit der Privatisierung der Bahn tauchte sie dann wieder auf. Ganz so neu ist die Sache mit dem Berufsgewerkschaften also doch nicht.

19.11.2010

Auch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses Recht auf Einsichtnahme in die Personalakte!

Mit Urteil vom 16.11.2010 hat das Bundesarbeitsgericht (9 AZR 573/09) entschieden, dass das Recht auf Einsichtnahme in die Personalakte für den Arbeitnehmer auch über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses hinaus gilt. Ein solcher Anspruch ergebe sich nicht aus den einschlägigen Regelungen des Bundesdatenschutzgesetzes, sondern aus der vertraglichen Rücksichtnahmepflicht gemäß § 241 Abs. 2 BGB. Jeder Vertragspartner hat sich so zu verhalten, dass er auf das Wohl und die berechtigten Interessen des anderen Vertragspartners jederzeit Rücksicht zu nehmen hat. Nach Ansicht des BAG gilt dies im Arbeitsverhältnis auch für das aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht erwachsene Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Ebenfalls soll dies nach Ansicht des BAG - und das ist neu! - auch noch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses gelten.

Bislang war unstreitig, dass der Arbeitnehmer selbstverständlich während des Arbeitsverhältnisses ein Recht zur Einsichtnahme in seine Personalakte hat. Für den Zeitraum nach dem Arbeitsverhältnis wurde das allerdings bislang von der Rechtsprechung verneint.

In Zukunft werden Arbeitgeber sich also genau überlegen müssen, was sie in die Personalakte einfügen. Es gibt dann keine Sicherheit mehr, dass spätestens nach Ausscheiden des Arbeitnehmers aus dem Unternehmen die Personalakte zu einem rechtsfreien Raum wird, da in der Praxis niemand dahinter kommt, was denn wirklich da drin steht. Das kann auch ganz erhebliche praktische Bedeutung haben: in dem vorliegenden Fall ging es um einen Arbeitnehmer, welcher mit seinem ehemaligen Arbeitgeber eine Auseinandersetzung um sein Arbeitszeugnis führte. Der Arbeitgeber weigerte sich, eine gute Leistungsbeurteilung abzugeben, da die Personalakte Anhaltspunkte dafür ergeben habe, dass der Mitarbeiter es an Loyalität fehlen ließ. In dem Zeugnisprozess hatte der Arbeitnehmer das Problem, dass ihm die Einsichtnahme in die Personalakte verwehrt wurde, weil er nicht mehr im Unternehmen war. Das stellt sich ja dann jetzt mal anders dar.

Mein Austritt aus der LINKEN - ein offener Brief

Hiermit erkläre ich meinen Austritt aus der Partei mit sofortiger Wirkung.

Jeder, der mich näher kennt, weiß, dass ich privat, politisch und auch als Anwalt konsequent für Arbeitnehmerinteressen einstehe und kämpfe. Jeder, der mich näher kennt, weiß, dass ich auf der Seite der Armen und Schwachen stehe. Jeder, der mich näher kennt, weiß, dass meine Solidarität den unterdrückten Völkern der Welt gilt, dass ich imperialistische militärische Gewalt ablehne, für die Gleichberechtigung der Frau einstehe – sprich: linke Positionen vertrete!

Was allerdings ganz bestimmt nicht meine Position ist, ist die Verbrämung von Mord und Terrorismus oder auch der juristischen oder moralischen Beihilfe hierzu als vermeintlichen Freiheitskampf! Gemeint ist die zunehmende vermeintliche Solidarität der LINKEN mit dem an und für sich berechtigten Interesse des palästinensischen Volkes, welche sich hier allerdings als einseitige Parteinahme für diese gegen den Staat Israel unter Einschluss einer merkwürdigen Solidarität auch mit der Hamas darstellt. Um es hier ganz klar zu sagen: die Hamas ist eine terroristische Organisation, welche demokratische Grundwerte negiert, Frauenrechte negiert, das Existenzrecht Israels und das Lebensrecht des jüdischen Volkes verneint.
Seit die IDF seinerzeit die erste sogenante "Friedens-Flottille" aufgebracht hat, welche ganz bewusst und in provozierender Weise und Absicht die Blockade zu brechen gesucht hat, welche der Staat Israel gegenüber dem Gazastreifen verhängt hat, stelle ich seitens der Vertreter der Partei eine vermehrte antiisraelische Haltung fest. Diese Blockade hat entgegen landläufiger Meinung nicht den Zweck, das gemeine und friedliebende palästinensische Volk im Gazastreifen auszuhungern, sondern die Lieferung von Waffen und Munition in dieses Gebiet zu unterbinden. Diese Waffen und Munition haben keinen anderen Zweck, als wehrlose Zivilisten in Israel wieder und wieder mit Raketen zu beschießen und im Ergebnis zu vernichten. In den letzten zehn Jahren sind etwa 10.000 Raketen vom Gaza aus auf die israelische Zivilbevölkerung niedergeprasselt. Unzählige Tote und Verwundete, ein permanenter Zustand des Terrors und der Angst sind das gewollte Ergebnis. Jedes Volk, jeder Staat der Erde hat nach der UN-Charta das Recht, sich gegen Angriffe von außen zu verteidigen und hierfür auch militärische Mittel anzuwenden – nur von Israel erwartet die Welt seit seinem Bestehen, dass es sich doch bitteschön zurückzuhalten und die Beschießung hinzunehmen hat. Israel, der einzige demokratische und konsequent säkulare Staat im nahen Osten, ist der einzige Staat der Welt, der sich immer und immer wieder für seine bloße Existenz zu rechtfertigen hat. Für andere Staaten in der Region, deren Grenzen mit Auslaufen der britischen Mandatsmacht im Frühjahr 1948 gleichfalls willkürlich gezogen wurden, wie etwa Jordanien, Syrien oder den Libanon gilt das aus irgendeinem Grunde nicht.

Der Antisemitismus als Solcher ist ohnehin schon lange wieder hoffähig. Das ist schon schlimm genug, wenn er von der Reaktion und von Rechtsaußen ausgeht. Nur, wenn er von dort aus kommt, können wir den Gegner klar erkennen und sind in der Lage, uns zu positionieren, richtigerweise eine antifaschistische Haltung einzunehmen. Kommt er aber von links, so erkennen viele von uns ihn gar nicht. Schlimmer noch – wir tragen ihn mit und forcieren ihn dadurch! Wie oft ist von Genossen der Satz „ich hab ja nichts gegen Juden .... aber was Israel da macht ....“ zu hören? Dieser Satz spiegelt eigentlich den Kern eines spezifischen linken Antisemitismus wider! Er wird verkleidet als vermeintlicher Antiimperialismus, als Antizionismus, Antiisraelismus! Die Grundannahme dabei ist diejenige, dass es sich bei dem Staat Israel um einen imperialistischen Staat handelt, welcher danach trachtet, seine arabischen Nachbarn zu unterjochen und das palästinensische Volk auszurotten. Diese Annahme allerdings ist der blanke Unfug! Zu keiner Zeit, weder in den Anfängen der zionistischen Bewegung, noch seit der Staatsgründung am 14.05.1948 hat es eine derartige politische Ausrichtung gegeben! Vielmehr waren es nach der Proklamation des Staates Israel am 14.05.1948 abends ägyptische Bomber, die sich über Tel Aviv fanden und ihre tödliche Fracht abwarfen. Es waren nicht israelische Bomber über Kairo! Es war auch nicht die Haganah, aus der dann die IDF hervorging, die alles daran setzte, möglichst viel arabisches Land zu erobern und einen möglichst großen Staat Israel zu erkämpfen, sondern eine von den Briten gut ausgebildete und gut mit schweren Waffen ausgerüstete Arabische Liga, die mit einer Übermacht von etwa 1: 1000 von allen Seiten über den gerade erst gegründeten jungen Staat der Juden herfiel!

Machen wir uns doch bitte auch von der abstrusen Vorstellung frei, es wären nach 1945 einige 1000 Juden mit Schiffen gekommen, hätten der Welt ihre tätowierten Nummern gezeigt, den Arabern das Land geraubt, diese schlicht vertrieben und dann mal eben ihren Staat gegründet – ganz so einfach war es wahrlich nicht und die Geschichte der jüdischen Besiedlung Palästinas ist sehr viel älter, als die Shoah!

Auch der Zionismus selber, als Bewegung zur Errichtung eines jüdischen Staates von Theodor Herzl ins Leben gerufen, hatte nie den Blick auf die Entrechtung und Vernichtung der arabischen Bevölkerung in Palästina gerichtet, sondern hatte die Vorstellung von einem friedlichen Zusammenleben von Arabern und Juden im neuen Staat Israel. Und übrigens: die zionistische Bewegung war von Anfang an mit sozialistischer Prägung ausgerichtet. Dies Prägung hat sich auch noch sehr deutlich in den politischen Maßgaben seitens Ben Gurion, Eschkol, Golda Meir und vieler Anderer der Gründerväter- und Mütter Israels gefunden. Nur so war es möglich, dass dieser Staat fast buchstäblich aus der Wüste geschaffen und erfolgreich aufgebaut wurde. Hierbei ist es auch in den Bereich der Legende zu verbannen, dass die USA von Anfang an viel Geld in Israel investiert haben sollen, um sich so ihren Vorposten im nahen Osten zu sichern. Das Geld, was aus den USA nach Israel floss, stammte maßgeblich aus privaten Quellen der dortigen jüdischen Gemeinden. Nicht jedoch kam dies aus staatlicher Quelle. Ganz im Gegenteil musste noch Golda Meir bei Henry Kissinger (übrigens auch Jude) geradezu betteln, damit dieser es ermöglichte, dass der Staat Israel einige wenige Kampfflugzeuge von den USA erwerben konnte, während die umliegenden Staaten der arabischen Liga mittlerweile aus sowjetischen Quellen hochgerüstet waren, bis zum Gehtnichtmehr. Daneben waren es maßgeblich die Franzosen, die Israel Waffen und Flugzeuge verkauften.

Heute reden wir von der Zweistaatenregelung. Diese war bereits in dem Teilungsbeschluss der UN von 1947 angesetzt. Der Unterschied lag bloß darin, dass die einen sich daran gemacht haben, einen funktionierenden säkularen demokratischen Staat aufzubauen und die anderen mit aller Macht bis heute versuchen, diesen Staat wieder zu beseitigen. Das Existenzrecht Israels ist seitens der arabischen Staaten bis heute nicht anerkannt – auch nicht von Ägypten und Jordanien. Die Hamas, zu deren Unterstützung die sogenannte Friedensflottille unterwegs war, hat sich nicht nur die Vernichtung des Staates Israel, sondern auch die endgültige Vernichtung des jüdischen Volkes auf die Flagge geschrieben. Ist es richtig und hinnehmbar, dass dies von Genossen der LINKEN unterstützt wird?

Israel ist der einzige Staat der Welt, der sich nicht nur immer wieder für seine blanke Existenz rechtfertigen muss. Ebenso ist es der einzige Staat weltweit, von dem die Welt ganz selbstverständlich erwartet, dass er sich beschießen und angreifen lassen soll und nur ja nicht selber militärisch aktiv werden darf, weil dies ja schließlich den Frieden in der Region gefährdet. Wo bleiben eigentlich die lauten Protestrufe der LINKEN, wenn israelische Zivilisten in schöner Regelmäßigkeit mit Raketen aus dem Gaza beschossen werden? Wo sind die Aufschreie der LINKEN, wenn aus Teheran zum wiederholten Male die Vernichtung Israels und der Juden gefordert wird?

Nur, um hier nicht falsch verstanden zu werden: ich trauere um JEDEN toten unschuldigen Zivilisten, egal, auf welcher Seite er ist. Auch bin ich keineswegs der Meinung, dass jede Facette israelischer Politik eine gute ist, dass dort nur Heilige sitzen und dass jede berechtigte Kritik an israelischer Politik gleich Antisemitismus ist. Ich verabscheue die Mauer und halte auch die Siedlungspolitik nicht gerade für hilfreich (um es einmal vorsichtig zu formulieren). Ich verschließe auch meine Augen nicht davor, dass es auch in Israel radikale Gruppierungen gibt, deren ideologisch-politische Ausrichtung durchaus als imperialistisch-chauvinistisch zu kennzeichnen ist. Aber diese bilden dort glücklicherweise auch keine Mehrheit.

Es gibt allerdings auch zahlreiche kleine und mittlere Aktionen der Verständigung zwischen Arabern und Israelis. Es gibt auf beiden Seiten eine Reihe von Menschen, die des ewigen Tötens leid sind und den Weg gegenseitiger Anerkennung und Respekts gehen wollen. Diese gilt es zu unterstützen.

Zuletzt sei noch kurz angemerkt, wer bei der ganzen Geschichte tatsächlich die tragischen Figuren sind: es sind tatsächlich die Palästinenser! Leider erkennen sie derzeit nicht, dass sie von ihren eigenen Leuten als politische Geiseln gegen Israel missbraucht werden, den Krieg der arabischen Staaten gegen Israel führen sollen, den die umliegenden Staaten selber sich nicht zu führen trauen. Gezielt werden die Palästinenser in den arabischen Ländern seit 60 Jahren in Flüchtlingslagern gehalten. Eine Integration in die eigenen Staaten ist weder gewollt, noch vorgesehen. Stattdessen werden sie dort in Elend belassen, auf dass radikale religiöse Gruppierungen, wie die Hamas, dort auf fruchtbaren Boden fallen und ihre gefährliche Saat des blinden Hasses verbreiten können. Es wäre doch für die umliegenden Staaten der Liga ein Leichtes, die mehr als hinreichend vorhandenen Ölmilliarden zur Unterstützung des Aufbaus eines eigenen palästinensischen Staates zu verwenden, dort Krankenhäuser, Schulen, eine Verwaltung und eine Volkswirtschaft zu errichten – meinethalben auch Moscheen, denn Beten ist für den Menschen legitim ujd für viele wichtig. Nichts dergleichen jedoch passiert. Im Ergebnis gilt es, die Palästinenser von der Hamas zu befreien. Dies allerdings können die Menschen dort unten nur selber machen.

Auszugsweise sei auf die Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel vom 14.05.1948 hingewiesen, in welcher es schon hieß:
„Wir beschließen, dass vom Augenblick der Beendigung des Mandates, heute um Mitternacht, dem sechsten Tage des Monats Ijar des Jahres 5708, dem 15. Mai 1948, bis zur Amtsübernahme durch verfassungsgemäß zu bestimmende Staatsbehörden, doch nicht später als bis zum 1. Oktober 1948, der Nationalrat als vorläufiger Staatsrat und dessen ausführendes Organ, die Volksverwaltung, als zeitweilige Regierung des jüdischen Staates wirken sollen. Der Name des Staates lautet Israel. Der Staat Israel wird der jüdischen Einwanderung und der Sammlung der Juden im Exil offen stehen. Er wird sich der Entwicklung des Landes zum Wohle aller seiner Bewohner widmen. Er wird auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden im Sinne der Visionen der Propheten Israels gestutzt sein. Er wird all seinen Bürgernohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht, soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen. Er wird Glaubens- und Gewissensfreiheit, Freiheit der Sprache, Erziehung und Kultur gewährleisten, die Heiligen Stätten unter seinen Schutz nehmen und den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen treu bleiben .
Der Staat Israel wird bereit sein, mit den Organen und Vertretern der Vereinten Nationen bei der Durchführung des Beschlusses vom 29. November 1947 zusammenzuwirken und sich um die Herstellung der gesamtpalästinensischen Wirtschaftseinheit bemühen.
Wir wenden uns an die Vereinten Nationen mit der Bitte, dem jüdischen Volk beim Aufbau seines Staates Hilfe zu leisten und den Staat Israel in die Völkerfamilie aufzunehmen.
Wir wenden uns - selbst inmitten mörderischer Angriffe, denen wir seit Monaten ausgesetzt sind - an die in Israel lebenden Araber mit dem Aufrufe, den Frieden zu wahren und sich aufgrund voller bürgerlicher Gleichberechtigung und entsprechender Vertretung in allen provisorischen und permanenten Organen des Staates an seinem Aufbau zu beteiligen.
Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden den und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitigen Hilfe mit dem selbständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.
Unser Ruf ergeht an das jüdische Volk in allen Ländern der Diaspora, uns auf dem Gebiete der Einwanderung und des Aufbaues zu helfen und uns im Streben nach der Erfüllung des Traumes von Generationen - der Erlösung Israels - beizustehen.
Mit Zuversicht auf den Fels Israels setzen wir unsere Namen zum Zeugnis unter diese Erklärung, gegeben in der Sitzung des zeitweiligen Staatsrates auf dem Boden unserer Heimat in der Stadt Tel Aviv. Heute am Vorabend des Sabbat, dem 5. Ijar 5708, 14. Mai 1948.“ 

Ich für meinen Teil erkläre hiermit meinen Austritt aus der LINKEN. Einen offenen als Antizionismus und Antiisraelismus verpackten Antisemitismus kann ich unter keinen Umständen mittragen.

Für eine Seite entscheiden?

Unter den arbeitsrechtlichen Kollegen ist die Frage recht umstritten, ob man sich als Anwalt für eine Seite, also die Arbeitnehmerseite oder die Arbeitgeberseite entscheiden muss - um es vorweg zu sagen: auch hierbei gilt die Lebensweisheit "3 Juristen, 5 Meinungen".

Sicherlich wird man hier keine allgemeingültige Regel aufstellen können und gibt es auch für jede der vorhandenen Haltungen gute Argumente. Der Anwalt, der sich entscheidet, ist nicht zwingend besser, als der ohne klare Seitenwahl - und umgekehrt.

Für mich persönlich stand die Frage eigentlich nie, weil ich meine, arbeitsrechtlich tätig zu sein heißt auch gesellschaftspolitisch tätig zu sein und da sollte man nach Möglichkeit einen Standpunkt haben, von dem aus man die Dinge betrachtet. Das heißt nicht, dass man nicht auch die hinreichende Offenheit besitzen sollte, sich in die Lage des Anderen zu versetzen - manchmal ist es gut zu wissen, wie der Gegner tickt.

Aufgrund meiner eigenen Geschichte stand für mich auch nie die Frage, auf welche Seite ich mich schlagen würde. Ich habe eigentlich nur nochmal mit 30 studiert, um Arbeitsrecht zu machen und da war auch immer klar, dass ich die Arbeitnehmerseite vertreten werde und so ist es ja dann auch gekommen.

Ich mache die Sache jetzt schon lange genug um zu wissen, dass ich mich richtig entschieden habe. Was ich in den letzten Jahren so alles an fiesen Tricks und üblen Machenschaften von der Arbeitgeberseite aus erlebt habe - ich hätte ernsthafte Schwierigkeiten, morgens in den Spiegel zu sehen, wenn ich diese Seite vertreten würde; und ich mag meinen Spiegel.

Vor Jahren sagte mal ein Gegenkollege zu mir "Herr Kollege; Sie müssen nur die Sache vom Menschen trennen, dann können Sie alles machen". Wenn er das kann, von mir aus. Ich kann das nicht und ich will das auch gar nicht können! Meine Akten haben zwar auch die übliche langweilige Färbung in beige und dazwischen ist viel Papier. Aber neben dem sicherlich notwendigen Papier sind vor allem Menschen und deren Schicksale dazwischen! 

Es geht doch in unserem Job nicht um Papier, sondern um Menschen! Na gut - das scheint nicht jeder so zu sehen ...