26.03.2015

Der Profisport und die Arbeitsgerichte



Nicht oft aber doch hin und wieder müssen sich die Arbeitsgerichte mit Rechtsstreitigkeiten zwischen Vereinen des Profisports und deren Spielern oder auch Trainern befassen. So klagte sichdas gesamte Trainerteam des Fußballklubs Allemania Aachen erfolgreich wieder in den Verein, hatte ich mich vor ein paar Monaten bereits mit dem Fall Uwe Krupp befasst und mitunter geht es auch schlicht um Schmerzensgeldansprüche zwischeneinzelnen Spielern, wie seinerzeit beim OLG Karlsruhe.

Egal, welche Entscheidungen man hierzu nimmt, so wird eines jedenfalls immer wieder deutlich und dürfte wohl mittlerweile als gefestigte Rechtsprechung anzusehen sein: Profispieler oder auch Trainer sind grundsätzlich Arbeitnehmer!

Beim Arbeitsgericht Mainz klagte sich nun ein Spieler erfolgreich in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis mit dem 1. FSV Mainz 05 (Urteil vom 24.03.2015 - 3 Ca 1197/14). Der Spieler war - wie das eigentlich im Profisport auch üblich ist - lediglich mit einem befristeten Vertrag ausgestattet, welcher zuletzt zumindest über einen Zeitraum von insgesamt mehr als 2 Jahren ging. Das Arbeitsgericht Mainz war nunmehr der Auffassung, ein Befristungsgrund liege nicht vor, weil auch die Eigenart der Tätigkeit keinen Sachgrund für eine Befristung darstelle. Der Verein hatte vorgetragen, es sei mit Blick auf das Alter des Spielers von 34 Jahren nicht sicher, wie sich dieser und vor allem dessen Leistung entwickeln werden und deswegen sei eine Befristung gerechtfertigt. Dem folgte das Gericht nicht. Vielmehr vertrat es die Meinung, dass auch die Eigenart des Profisports keinen Sachgrund für eine befristete Anstellung hergeben könne.

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig und ich gehe mal schwer davon aus, dass der verklagte Verein hier in die Berufung und gegebenenfalls auch in die Revision gehen wird, falls nötig. Unter uns gesagt halte ich die Entscheidung inhaltlich auch zumindest für diskussionswürdig. Im Profisport ist es doch allgemein üblich, dass Spieler nicht unbefristet an den Verein gebunden werden. Rechtlich ist das alles soweit kein Problem, solange die Verträge nicht länger als 2 Jahre laufen. Nach der jüngsten Entscheidung durch das Arbeitsgericht Mainz allerdings wird es problematisch, wenn diese länger als 2 Jahre laufen oder für dann länger als insgesamt 2 Jahre immer wieder verlängert werden und das kommt durchaus insbesondere bei guten Spielern häufiger vor. Die Konsequenz dieser Entscheidung wäre jetzt allerdings, dass Profivereine sich Ihre Spieler doch bis zur Rente erhalten müssen, wenn sie nicht nach den allgemeinen Regeln irgendwann einmal ein Grund zur Kündigung vorweisen können. In den Fällen, wo Verträge vorzeitig aufgelöst werden, geschieht dies regelmäßig durch Aufhebungsvertrag, weswegen es hierbei keine Probleme geben dürfte. Unterschreibt allerdings ein Spieler eben diesen Aufhebungsvertrag nicht, so könnte dies für den betroffenen Verein gegebenenfalls fatal werden (oder auch einfach nur teuer, wenn man die Dinge einfach mal lebensnah betrachtet).

Auf der anderen Seite muss ich als Fan der Kölner HAIE! zugeben, dass diese Entscheidung durchaus eine attraktive Möglichkeit darstellen könnte, unseren bisherigen Kapitän John Tripp doch noch länger an den Verein zu binden und so als Kapitän zu erhalten. Dieser ist nämlich bereits seit 2011 mit dabei und hat nunmehr keinen Folgevertrag für die nächste Saison gekriegt. Nachdem der Vertrag bis zum Saisonende gilt, dürfte hier die für eine Befristungsklage auch durchaus noch die dazugehörige Klagefrist von 3 Wochen nach dem vertragsmäßigen Ende des befristeten Vertrages einzuhalten sein. Es sei denn, unser Kapitän hat zwischenzeitlich bereits einen Aufhebungsvertrag unterschrieben, was ich nicht weiß. Ob ich ihm allerdings ernsthaft zur Klage raten würde? Ehrlich gesagt würde ich zur Beantwortung dieser Frage ganz gerne die Entscheidung durch das LAG Rheinland-Pfalz abwarten. Dann allerdings bekäme man Schwierigkeiten mit der Klagefrist, denn so schnell wird dieses Gericht nicht entscheiden.

12.03.2015

Gratulation!

Der Kartellblog hat auch dieses Jahr wieder eine Abstimmung über die besten Jurablogs durchgeführt. An dieser Stelle herzlichen Dank an die Kollegen für die Mühe.

Ich gratuliere dem von mir sehr geschätzten Kollegen Thorsten Blaufelder zum deutlichen ersten Platz im Bereich Arbeitsrecht. Da zahlen sich Fleiß und Fachkenntnisse vollkommen zu Recht aus!

Ich sollte auch mal wieder verstärkt bloggen - vielleicht schaffe ich es dann ja nächstes Jahr auch mal zu einer Nominierung.

Der Vorsitzende lässt machen ...

Neulich berichtete ich über ein Richterin beim ArbG Köln, die fleißig das Protokoll selber in den Rechner getippt hat.

Dieser Tage war ich mal wieder im ArbG Köln und hatte da einen Vorsitzenden der ganz anderen Richtung. Dass er insgesamt ein ausgeprägtes Berlinerisch sprach, mag in Köln merkwürdig anmuten, kommt aber nunmal vor. Allerdings hatte er auch die - wie ich in dem Fall finde, erfrischend sympathische - eher schnodderige Berliner Art direkt mitgebracht.

In einer Sache vor uns war nach einigen Aufrufen eine der Parteien noch immer nicht erschienen. Wie in solchen Sachen üblich, wurde zunächst mal abgefragt, ob man denn schon was gehört hätte. Nachdem das zu verneinen war, schickte der Vorsitzende den Kollegen mal eben los mit den Worten "In Ordnung. Sie tun ma jetz ma den Jefallen und jehen ma uff de Jeschäftsstelle und kieken ma, ob da wer is und fragen. Wascheinlich müssen se aba denn nach nebenan, weil von de Damen jrad keene da is und denn fragen se da ma nach, ob wer anjerufen hat, wa"*. Der Kollege guckte etwas irritiert, marschierte aber brav los. Als er dann zurück kam und schlussendlich die Anwesenheit ins Protokoll genommen wurde, ließ der Kollege es sich allerdings nicht nehmen, in seinem Namen den Doktor dezent aber dennoch deutlich zu betonen.

Als ich dann dran war, blieben mir Botengänge erspart. Die Kollegin nach mir wurde allerdings mal eben dazu beauftragt, auf seine Sachen aufzupassen, während er mal grad auf die Geschäftsstelle musste. Sie grinste und tat ebenfalls brav, wie von ihr gewünscht.


*Die Berliner mögen mir verzeihen, wenn ich das Berlinerische hier nicht ganz korrekt wiedergegeben haben sollte.