12.03.2015

Der Vorsitzende lässt machen ...

Neulich berichtete ich über ein Richterin beim ArbG Köln, die fleißig das Protokoll selber in den Rechner getippt hat.

Dieser Tage war ich mal wieder im ArbG Köln und hatte da einen Vorsitzenden der ganz anderen Richtung. Dass er insgesamt ein ausgeprägtes Berlinerisch sprach, mag in Köln merkwürdig anmuten, kommt aber nunmal vor. Allerdings hatte er auch die - wie ich in dem Fall finde, erfrischend sympathische - eher schnodderige Berliner Art direkt mitgebracht.

In einer Sache vor uns war nach einigen Aufrufen eine der Parteien noch immer nicht erschienen. Wie in solchen Sachen üblich, wurde zunächst mal abgefragt, ob man denn schon was gehört hätte. Nachdem das zu verneinen war, schickte der Vorsitzende den Kollegen mal eben los mit den Worten "In Ordnung. Sie tun ma jetz ma den Jefallen und jehen ma uff de Jeschäftsstelle und kieken ma, ob da wer is und fragen. Wascheinlich müssen se aba denn nach nebenan, weil von de Damen jrad keene da is und denn fragen se da ma nach, ob wer anjerufen hat, wa"*. Der Kollege guckte etwas irritiert, marschierte aber brav los. Als er dann zurück kam und schlussendlich die Anwesenheit ins Protokoll genommen wurde, ließ der Kollege es sich allerdings nicht nehmen, in seinem Namen den Doktor dezent aber dennoch deutlich zu betonen.

Als ich dann dran war, blieben mir Botengänge erspart. Die Kollegin nach mir wurde allerdings mal eben dazu beauftragt, auf seine Sachen aufzupassen, während er mal grad auf die Geschäftsstelle musste. Sie grinste und tat ebenfalls brav, wie von ihr gewünscht.


*Die Berliner mögen mir verzeihen, wenn ich das Berlinerische hier nicht ganz korrekt wiedergegeben haben sollte.


1 Kommentar:

  1. Hier klingt irgendwie durch, dass man das Protokollschreiben durch die Richterin toll und vorbildhaft findet.

    Stattdessen müsste man sich vielleicht mal fragen, ob es aus Sicht des Steuerzahlers sinnvoll ist, dass man Protokolle durch jemanden mit R1-Gehalt schreiben lässt, der dann in seinen 41,5 Stunden pro Woche entsprechend weniger Akten inhaltlich bearbeiten kann.

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